Geschichte

20 Jahre CHG Bonn

Wie schnell die Zeit vergeht! Wir freuen uns über unser vergangenes Jubiläum im März 2003. Unser 10 jähriges Bestehen haben wir noch lebhaft in Erinnerung. Gott hat unsere Gemeinde durch Höhen und Tiefen geführt und wir danken IHM, dass die gemeinsamen Erfahrungen uns zusammen geschweißt haben.

Man kann sagen: die christliche Hörgeschädigtengemeinschaft Bonn war von Anfang an Gottes Plan, denn niemand von uns hatte die Gründung geplant. Wie „zufällig“ stand Reinhard Niemeier im Winter 1982/83 vor der Tür der Christlichen Versammlung in Bonn-Bad Godesberg und suchte, als gehörloser Christ, für seine Frau Rumi und sich Gemeinschaft unter Gottes Wort. Die Kirche in ihrer Nachbarschaft konnte sie nicht integrieren. Die Beiden konnten die Predigt nicht verstehen und hatten keine Möglichkeit eine Bibelstunde zu besuchen.
Reinhard wurde an ein Gemeindemitglied verwiesen, das interessanter Weise ein Arbeitskollege von ihm war. War das Zufall? Achim Mews hieß dieser junge Mann, der zu diesem Zeitpunkt aktiv in der Jugendarbeit tätig war. War er der richtige Ansprechpartner? Neben der Arbeit in der Gemeinde hatte er einen anstrengenden Beruf. Für die junge Familie mit einem 2 jährigen Kind und einem Baby blieb sowieso nicht viel Zeit übrig.

Man beschloss sich zu treffen. Reinhard und Rumi Niemeier wohnten im selben Stadtteil. Zu Beginn der Bekanntschaft war die Verständigung sehr mühsam. Dazu kam noch die Schwierigkeit, dass Rumi als Japanerin damals wenig Deutsch konnte. Achim und seine Frau Martina konnten keine Gebärdensprache. Die Kommunikation lief dann so: Achim sprach langsam, damit Reinhard ablesen konnte, Reinhard dolmetschte dann für Rumi. Umgekehrt war es manchmal noch schwieriger.

Nach mehreren Treffen beschlossen wir einfach zusammen die Bibel zu lesen. Die Gemeinschaft wurde trotz mangelhafter Verständigung gesegnet. Unsere Gebetsgemeinschaft sollte Auswirkung haben.

Im Sommer 1983 nahm Achim an einem Gebärdenkurs teil, den Reinhard in Bonn als Dozent hielt. Wenn man sich dann noch auf der Arbeitsstelle trifft, lernt man durch Übung doch relativ schnell. Dieser Kontakt blieb im Kollegenkreis nicht verborgen. Claudia Hügel, eine junge Kollegin, die als Gehörlose keinen Zugang zu Gottes Wort in der Kirche hatte, stieß zu unserem kleinen Kreis. Jetzt hatten wir noch ein Problem: Claudia kannte den Sinn von vielen christlichen Wörtern nicht, wie z.B. das Wort „Gnade“.

An einem weiteren Tag in der Woche machten wir für Claudia sozusagen den Grundkurs. Sie zeigte reges Interesse, dass sie schnell verstand und auch der Liebe Gottes immer näher kam. Bevor das Jahr 1983 zu Ende ging, erhielten wir überraschend Post von einer Familie Schneider aus Neuwied. Erwin und Elfriede Schneider luden uns im Dezember ein und wir haben uns seitdem nie aus den Augen verloren. Wir konnten uns gut verständigen, weil beide sehr gut ablesen konnten. Bis Neuwied bzw. Bad Godesberg war es zwar weit, doch der Kontakt wurde immer besser, weil Erwin Schneider im vorzeitigen Ruhestand die Zeit hatte, hin und herzufahren.
So waren wir 1985 ein richtiger Hauskreis, der sich wöchentlich im Wohnzimmer von Familie Mews traf. Auch andere hörgeschädigte Christen uns Bonn und Umgebung wurden auf unseren Kreis aufmerksam. Diese Gruppe, bestehend aus vier Hörgeschädigten Geschwister, die schon seit ca. 4 bis7 Jahre gläubig sind, (Angela Renz, die aber nach einem halben Jahr nach Augsburg heiratete, Andreas Gnoth (er heiratete 1990 nach Friedberg und Familie Spielberger) Diese Gruppe hatte einen eigenen Hauskreis und besuchte jeden Sonntag im Haus Elim den Gottesdienst, wo sie freundlicherweise die Predigt mit aufgeschrieben bekamen.
Zwei Hörgeschädigte gläubige Gruppen in einer „kleinen“ Stadt sind nicht gut. Uns wurde klar: Wir gehören zusammen! Es gibt wenig Hörgeschädigte. Warum sollen diese in verschiedene Gemeinden gehen?

Die Mund zu Mund Propaganda brachte immer neue Leute in die kleine Wohnung von Familie Mews, die mittlerweile 3 Kinder hatten. Die kleinen Mädchen waren immer pünktlich um 19:30 Uhr im Bett, wenn der Besuch kam. Das Baby Malte von Familie Spielberger schlief friedlich in der Tragetasche im Schlafzimmer. In dieser Zeit sind in den Familien in unserer Gemeinde 5 gesunde Kinder zur Welt gekommen. Wir hatten oft Besuch von Leuten aus anderen Städten und Gemeinden, einmal sogar aus Irland! Nach der Bibelstunde hatten wir immer Teestunde. Oft wurde es Mitternacht bis die Letzten nach Hause gingen. Unter der Laterne vor dem Haus wurde manchmal noch lange weitergeplaudert.

Als unsere Kinder älter wurden und mehr Ruhe für die Schule brauchten, fanden wir ein neues „Wohnzimmer“ im Jugendraum der CV- Bonn Bad Godesberg Sedanstraße, wo unsere Bibelstunden stattgefunden haben.

An jedem 2. Sonntag im Monat versammeln wir uns seit über 10 Jahren zum Gottesdienst, weil wir erfahren haben, dass eine „eigene“ Predigt für uns besser zu verstehen ist. Wir können singen und beten ohne Dolmetscher.

Wir danken Gott für diese Möglichkeit und seine Wunder die ER in diesen mehr als 20 Jahre getan hat. Wir freuen uns über jeden, der an unserem Gemeindeleben teilnimmt. Unsere Bibelstunde am Montag beweist, dass hörende und hörgeschädigte Christen unter Leitung des heiligen Geistes durchaus gemeinsam Gottes Wort studieren können. Diese Entwicklung könnte auch ein positiver Ansatz für unsere hörenden Kinder sein, sich in Zukunft in der Gemeinde zu integrieren.

So sind wir gespannt, was Gott noch mit uns vorhat!